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Eine Welt - Eine Zukunft » EWEZ
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Eine Welt - Eine Zukunft » EWEZ

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Eine Welt - Eine Zukunft ist eine Veranstaltungsreihe

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Ist gut gemeintes Engagement auch immer gut gemacht?

Darüber, ob gut gemeintes Engagement automatisch immer positive Auswirkungen hat und ob Engagement immer nachhaltig sein muss, wurde im Rahmen der Podiumsdiskussion „Engagement lokal – Engagement global: Ist gut gemeint auch immer gut gemacht?“ am 04. Dezember 2013 in den Wagenhallen in Stuttgart diskutiert. Entwicklungspolitisches Engagement: nicht nur auf anderen Kontinenten sondern auch in Deutschland Das ehrenamtliche Engagement für entwicklungspolitische Projekte ist in Deutschland groß. Darüber waren sich die Podiumsgäste einig. So berichtete Katrin Volck, Projektkoordinatorin bei der Engagement Global gGmbH über Bildungsprogramme wie „Bildung trifft Entwicklung“ und verschiedene Nord-Süd-Schulpartnerschaften, bei denen sich Freiwillige in entwicklungspolitischen Projekten engagieren können. Dr. Eckhard Priller vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) ergänzte dies mit den Ergebnissen seiner für das BMZ verfassten Studie zu entwicklungspolitischem bürgerschaftlichen Engagement. Er betonte, dass sich gerade junge Menschen – im Kontext einer globalisierten Welt – in den vielen kleinen entwicklungspolitischen Organisationen, die sich in Deutschland in den letzten 10 Jahren gegründet haben, engagieren. Anschauliche Beispiele der Vielfältigkeit von Engagement steuerte Paulino Miguel vom Forum der Kulturen Stuttgart e.V., dem Dachverband entwicklungspolitisch engagierter Migrantenvereine, bei. In einer „verbalen Weltreise“ erzählte er von der Vielfalt der Aktivitäten der vielen Vereine, mit denen er arbeitet: von der Hausaufgabenbetreuung in Armenvierteln in Brasilien, einem gespendeten Zahnarztstuhl für eine bolivianische Kleinstadt hin zu dem Aufbau einer nachbarschaftlichen Feuerwehr in Chile. Von Nachhaltigkeit und Wirkung des Engagements Aber: Wie misst man eigentlich Nachhaltigkeit und die Wirkung von entwicklungspolitischen Projekten? Auf diese Fragen haben auch die ExpertInnen keine einfache Antwort gefunden. Gut gemeinte Projekte sind nicht immer das, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird und langfristig funktioniert. Aber der richtige Weg ist der Dialog und das Erarbeiten gemeinsamer Handlungsoptionen mit den Menschen und den Vereinen in den Ländern des Globalen Südens, so Katrin Volck. Weltwärts-Rückkehrer Carl von Schweinitz erklärte ganz offen, dass er mit 19 Jahren nicht ausreichend auf seinen Freiwilligendienst in Mali vorbereitet war. Er betonte aber, dass das Kennenlernen einer fremden Kultur, neuer Menschen und einer neuen Umgebung für ihn eine Erfahrung von unschätzbarem Wert ist, die sein Leben bis heute prägt und die ihn dazu brachte, entwicklungspolitisch aktiv zu werden. Kritische Stimmen Kritik wurde an diesem Abend vor allem daran geübt, dass die sogenannten Industrieländer häufig schon die fertigen Lösungen in der Tasche haben und mit den Süd-Partnern oft nicht auf Augenhöhe kommunizieren. Dadurch sei man wenig flexibel für die Bedarfe der Partner und trotz der Vielzahl entwicklungspolitischer Projekte käme die Unterstützung oft nicht da an, wo sie wirklich gebraucht würde. Paulino Miguel wünschte sich hier vor allem die stärkere Einbeziehung der vielen engagierten MigrantInnen in Deutschland und dass deren ehrenamtliches Engagement stärker anerkannt werden muss. MigrantInnen in Deutschland, die sehr gute Berater für die internationale entwicklungspolitische Zusammenarbeit sein können, werden von den zuständigen Institutionen häufig nicht als solche wahrgenommen, so der Mosambikaner. Mehr Offenheit für neue Ideen! Die Schlussrunde auf dem Podium verdeutlichte noch einmal, was die Podiumsgäste sich für das „Engagement der Zukunft“ wünschen: Die engagierte, unabhängige Zivilgesellschaft muss breitere Bevölkerungsgruppen als bisher erreichen, immer auch kritisch und innovativ sein und neue Wege des Engagements finden, so Eckhard Priller. Junge Menschen sollten ihr Engagement selbst gestalten können, findet Paulino Miguel und lobte die selbstkritische Haltung vieler junger RückkehrerInnen und ihr Interesse an gemeinsamen Projekten mit MigrantInnen. Auch Katrin Volck unterstrich, dass der Dialog zwischen Nord und Süd gefördert werden muss. Carl von Schweinitz forderte mehr politische Stellungnahmen der Zivilgesellschaft in den entwicklungspolitischen Debatten. Außerdem wünschte er sich ein stärkeres Interesse bzw. eine stärkere Einbindung von entwicklungspolitisch-fernen Zielgruppen. So sollten z.B. Auszubildende und junge Berufstätige stärker angesprochen werden. Nach einer angeregten Diskussion auf dem Podium und mit dem Publikum, endete das Podiumsgespräch mit dem Appell, Perspektiven zu überdenken, neue Zielgruppen anzusprechen und Engagement stärker zu vernetzen.   Programm am 4.12. 18:30 Uhr Offene Podiumsdiskussion Moderation: Rosa Omeñaca Prado ReferentInnen: Paulino Miguel, Forum der Kulturen Stuttgart e.V. Dr. Eckhard Priller, Leiter der Projektgruppe Zivilengagement, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) Katrin Volck, Projektkoordinatorin “Bildung trifft Entwicklung”, Engagement Global gGmbH Carl von Schweinitz, weltwärts-Rückkehrer ca. 20:00 Uhr Live-Konzert mit Äl Jawala   Podcast:
Politic and economy 12 years
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Eine Frage des politischen Willens

Kein Geld – keine Chance? Kinderarmut in Deutschland und weltweit wurde am 23. Oktober 2013 um 19:30 Uhr in der Kalkscheune in Berlin diskutiert. Der Einlass erfolgte mit einer Ausstellung der „Karikaturen für UNICEF“ (Auswahl) und einer musikalischen Darbietung (Rap, Breakdance, Song) von Kindern/Jugendlichen von Die Arche e.V. 1,25 US-Dollar. Das ist die Grenze, die die internationale Gemeinschaft als finanzielles Mini¬mum ansieht, von dem ein Mensch gerade so überleben kann. Weltweit sind 1,5 Milliarden Menschen betroffen, davon 400 Millionen Kinder. Die meisten von ihnen leben in Subsahara-Afrika. Dass insbesondere die Armut von Kindern ein durchaus vielschichtiges Problem ist zeigte die von Volker Wieprecht und Robert Skuppin (rbb) moderierte Diskussionsrunde „Kein Geld – keine Chance? Kinderarmut in Deutschland und weltweit“ der Reihe „Eine Welt – eine Zukunft“ in der Berliner Kalkscheune. Der finanziellen folgt die emotionale Armut Wer über weltweite Kinderarmut spricht, muss auch den Blick in deutsche Kinderzimmer wagen. Natürlich ist der Alltag von Kindern mit Migrationshintergrund, aus Großfamilien oder von Alleinerziehenden nicht mit dem von Kindern in einem von Hunger und Bürgerkrieg bedrohten Land zu vergleichen. Dass es aber auch hierzulande Kinderarmut gibt, hat Bernd Siggelkow am eigenen Leib erfahren müssen. „Ich habe den Gerichtsvollzieher häufiger gesehen, als meinen Vater“, erinnert sich der Gründer des christlichen Kinder- und Jugendhilfswerks „Die Arche“. Er betont daher, dass es ihm auch immer um die Bekämpfung emotionaler und nicht nur finanzieller Armut gehe. Bernd Siggelkow weiß, dass es schon fast zynisch klingt, in Deutschland von Kinderarmut zu sprechen. „Kinder messen sich aber an ihrem sozialen Umfeld und wenn sie sehen, dass es anderen besser geht, fühlen sie sich benachteiligt“, so Siggelkow. Was aber noch viel schwerer wiege, sei die emotionale Armut: Wenn eine alleinerziehende Mutter wegen ihres Jobs keine Zeit für ihr Kind hat, dann leidet dieses irgendwann darunter und das erschwert seine Chancen auf eine bessere Zukunft. Finanzielle und emotionale Armut gehen Hand in Hand. Nach 12 Jahren kippt das Selbstwertgefühl Besonders schlimm wird es für Kinder, wenn die Armutsphase über mehrere Jahre andauert. Die Berufstätigkeit eines allein erziehenden Elternteils sei an sich nichts Schlechtes, so Christian Schneider, Geschäftsführer der deutschen UNICEF-Sektion. Das zeige auch eine aktuelle Umfrage, die UNICEF in Auftrag gegeben habe. Im Gegenteil: „Die Kinder von Alleinerziehenden sind stolz, wenn sie sehen, wie die eigene Mutter das schaffen kann.“ Doch nur so lange Kinder das Gefühl haben, nicht ausgegrenzt zu sein, sei die Situation handhabbar. Dauere die Armutsphase hingegen mehr als zwölf Jahre an, „dann kippt das Selbstwertgefühl der Kinder dramatisch“, weiß Christian Schneider. Deshalb sein Appell: „Die Phase der Armut muss so kurz wie möglich gehalten werden.“ Was es braucht, ist politischer Wille Der Lobbyist für Kinderbelange ist überzeugt, dass politscher Wille und ausreichende Ressourcen das weltweite Armutsproblem lösen könnten. „Man kann das Problem in den Griff kriegen, wenn man Geld investiert und sich Ziele setzt.“ Aus diesem Grunde seien die Rechte von Kindern und verbindliche internationale Zielsysteme wie die Millennium-Entwicklungsziele so wichtig. Dann lassen sich Fortschritte überprüfen und gegebenenfalls politischer Druck ausüben. Weniger Armut durch weniger Kinder? Aber wäre es da nicht viel einfacher, durch eine Kontrolle von Geburten die weltweite Armut zu bekämpfen, fragte Volker Wieprecht – nach dem Motto: Wo weniger Kinder geboren werden, können auch weniger hungern. Bildung sei da der bessere Ansatz, wandte Bernhard Braune vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein. „Es gibt einen nachweisbaren kausalen Zusammenhang zwischen sinkender Geburtenrate und dem Zugang zu Bildung für Frauen.“ Armut ist kein Schicksal Bernhard Braune weiß: Die Bedingungen, die zu Armut führen, lassen sich ändern. Einen Teil der Lösung sieht er in der schulischen und beruflichen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen: „Dies erhöht die Chance, dass sich Jugendliche später einmal selbst versorgen können.“ Doch die unabdingbare Voraussetzung sind Frieden und gute Regierungsführung in den betroffenen Ländern. „Ein Land mit einer demokratischen Regierungsform kann sich leichter aus der Armut befreien, da die Armen an politischen Prozessen teilnehmen können“, so Braune. Die Partnerländer dabei zu unterstützen, sei eine wichtige Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit. Darüber hinaus müsste Deutschland aber auch seine Zusagen erfüllen, bis 2015 0,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben. „Dass wir das Ziel von 0,7 Prozent noch nicht erreicht haben, ist ein politisches Versäumnis“, kritisiert Braune. Aber auch in Deutschland existieren noch zahlreiche Baustellen. Für Bernd Siggelkow ist es ein Armutszeugnis, sagen zu müssen: ‚Wir haben schlechte Schulen‘. Es dürfe nicht sein, dass in einem Land wie Deutschland Bildung immer mehr vom Einkommen der Eltern abhänge. „Viele Eltern können sich keine Nachhilfe für ihre Kinder leisten. Da bleibt häufig nur der Weg auf die Hauptschule“, kritisiert er. Am Ende der Veranstaltung war klar: Armut ist nicht gleich Armut. Doch ganz gleich, ob relative oder absolute Armut – Armut ist ein Problem, das jedes Land seinen Möglichkeiten entsprechend in den Griff kriegen muss. Das gelte nicht nur für die Partnerländer im globalen Süden, sondern auch für Deutschland: „Wir müssen lernen, die Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen. Auch in Deutschland muss es zum Ziel werden, die Kinderarmut zu halbieren.“ Diese Veranstaltung fand in Medienpartnerschaft mit dem tip Berlin statt.   Podcast:
Politic and economy 13 years
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01:23:12

Bildung eröffnet Chancen – überall!

wurde am 25. Mai 2013 im Allermunde am Washingtonplatz in Berlin diskutiert. Die Veranstaltung fand im Rahmen des ersten Deutschen Entwicklungstages statt, der in ganz Deutschland gefeiert wurde, um entwicklungspolitisches, bürgerschaftliches und kommunales Engagement aufzuzeigen. Hier geht es zum Bericht der Veranstaltung: Paul Chiphanda, District Education Manager im malawischen Ministerium für Bildung, Wirtschaft und Technologie, zeigte zur Eröffnung der Diskussion anhand eines „worst case“ und eines “best case“ auf, wie sich die Schul- und Lernsituation in Malawi gestaltet. Während die Schülerinnen und Schüler der ersten Schule auf Ziegelsteinen sitzen, um am Unterricht teilzunehmen und keine weiteren Materialien zur Verfügung haben, verfügt die zweite Schule über feste Schulgebäude mit Lehrerunterkünften, Solaranlagen und sogar eine Bibliothek. Malawi ist eines der Länder, mit denen die Bundesregierung Bildung als einen Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit festgelegt hat. Roland Lindenthal, Leiter des Referats Bildung im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), stellte die Kooperation im Wandel der Zeit dar: Investitionen werden nicht mehr hauptsächlich in die Infrastruktur sondern zunehmend auch in Managementberatung und die Ausbildung von Lehrkräften getätigt. Ziel einer langfristigen Bildungskooperation sei es, alle Arten des Lernens zu unterstützen und nicht nur den Zugang zu Bildung, sondern auch ihre Qualität und Relevanz zu verbessern. Herausforderungen auch in Deutschland Auch in Deutschland steht das Bildungssystem trotz seiner guten Grundausstattung vor vielen Herausforderungen. Dies berichtet Harald Kleem, Lehrer und Berater für den Lernbereich „Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ beim Niedersächsischen Kultusministerium. Die soziale Herkunft beeinflusse auch hierzulande maßgeblich den Schulerfolg, angetrieben von dem dreigliedrigen Schulsystem und der Mittelstandsorientierung der Lehrpläne. Seiner Meinung nach solle die Gestaltungs-, Urteils- und Kritikfähigkeit der Schüler wieder mehr in den Blick genommen werden, statt nur mehr Wissen in die Köpfe der Schüler zu leiten. Bildung und Arbeitsmarkt Ein weiteres Thema, das Podiumsgäste und Zuhörer aus allen Ländern beschäftigte, war die Verknüpfung zwischen Bildung und Arbeitsmarkt. Die Gäste waren sich einig, dass hierin eine der großen Herausforderungen der Bildungspolitik liege, auch um die Motivation des Lernens aufrecht zu erhalten. Unabhängig davon habe aber jeder Mensch das Recht auf Bildung, betonte Roland Lindenthal. Über Bildung erschließen sich dem Einzelnen komplett neue Erfahrungs- und Entfaltungsmöglichkeiten zu einem selbstbestimmten Leben. Stärkung der sozialen Akzeptanz Als wichtiger Faktor für eine nachhaltige Bildungspolitik wurde zudem die gesellschaftliche Akzeptanz genannt. „Ohne die Einbindung der Eltern können wir unsere Ziele nicht erreichen“, resümierte Paul Chiphanda. Die Wichtigkeit der sozialen Akzeptanz von Bildung bestätigte auch der malawische Botschafter, der als Zuhörer anwesend war. Er hofft, dass eine zunehmend gebildete Generation in seinem Land eine Aufwärtsspirale auslösen kann, da gebildete Eltern einerseits ihre Kinder in die Schulen schicken, aber auch selbst nachhaltige Veränderungen innerhalb des Systems anstoßen. Wünsche für die Zukunft „Gute Bildung für alle“ ist – die Millenniumentwicklungsziele weiter denkend – das erklärte Ziel von Roland Lindenthal. Harald Kleem wünscht sich gemischt zusammengesetzte Bildungsräte, die sowohl in Deutschland als auch international als Impulsgeber für das Bildungssystem fungieren könnten. Paul Chiphanda dankte Deutschland für die gute Zusammenarbeit und die gemeinsam erreichten Fortschritte. Er hofft, dass sich beide Länder eines Tages bildungspolitisch auf Augenhöhe begegnen.   Podcast:
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Stadtbewohner oder Stadtgestalter?

…über Kieze und Megacities… wurde am 20. September 2012 in der Kalkscheune diskutiert. Hier geht es zum Veranstaltungsbericht:   Bewohnst Du noch oder gestaltest Du schon? Stadtentwicklung braucht vor allem Bürgerbeteiligung Verkehrskollaps, verschmutzte Luft, und kein Fisch schwimmt mehr in den Gewässern: São Paolo sieht sich so ziemlich mit allen Problemen konfrontiert, die große Städte nur haben können. Bis 2031, so besagen Schätzungen, werden mehr als fünf Milliarden Menschen – also 70 Prozent der Weltbevölkerung –  in Ballungsräumen leben. Da sind unkonventionelle Lösungen gefragt. Am 20. September drehte sich bei „Eine Welt – eine Zukunft“ in der Berliner Kalkscheune alles um das Thema Stadtentwicklung. Drei internationale ExpertInnen aus Berlin, São Paolo und Antananarivo standen – eingerahmt vom gutgelaunten Moderatorenduo Volker Wieprecht und Robert Skuppin – dem Publikum im gut gefüllten Saal Rede und Antwort oder hatten „zumindest eine Idee, wie man die Probleme stemmen kann“ (Volker Wieprecht). Slum Upgrading durch Bürgerbeteiligung São Paolo ist eine gespaltene Stadt. „Im Zentrum gibt es alles, die besten Krankenhäuser Brasiliens, die besten Universitäten. Für die, die es sich leisten können, ist das sehr schön. Für die Menschen in den Favelas am Stadtrand sieht die Sache ganz anders aus“, berichtet Fabienne Hoelzel. Die Schweizer Architektin arbeitet für ein städtisches Aufwertungsprogramm in der brasilianischen Wirtschaftmetropole. Sogenanntes Slum Upgrading soll die Lebenssituation der Menschen in den Favelas aufwerten. Um Erdabrutschen vorzubeugen, werden Hänge zubetoniert, es werden Stromleitungen gelegt und Häuser an die Kanalisation angeschlossen. Und so manches Mal müssen auch Bewohner umgesiedelt werden. „Das ist jedoch nur möglich, wenn man die Menschen in die Entscheidungen einbezieht“, so Fabienne Hoelzel. „Manchmal greift man dann auch zu unkonventionellen Lösungen und baut eine Straße lieber um ein Haus herum, statt es abzureißen.“ Brasilien gibt vier Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für die Aufwertung von Slums aus. Das ist im internationalen Vergleich sehr viel. „Da 30 Prozent in prekären Verhältnisses leben, relativiert sich die Zahl aber schnell wieder“, so Fabienne Hoelzel. Die Megastädte von morgen So unterschiedlich die Sprachen, so verschieden sind die Probleme in den Städten. Während São Paolo mit seinen mehr als 20 Millionen Einwohnern mittlerweile an seine natürliche Wachstumsgrenze stößt, machen sich andere Städte erst auf den Weg zur Megastadt. Das ist auch der Grund, warum sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit primär auf mittlere Städte mit bis zu 500.000 Einwohnern konzentriert. „In diesen Städten sind in den nächsten Jahren und Jahrzehnten die größten Bevölkerungszuwächse zu erwarten“, so Randa Kourieh-Ranarivelo von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. „Wirklich erfolgreich können wir aber nur sein, wenn wir neben dem Umweltschutz auch die sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen im Blick behalten.“ Armut – ein vorgelagertes Problem Zum Beispiel in Antananarivo. Die „Hauptstadt mit dem schönen Namen“ (Wieprecht) hat bereits heute mit den negativen Auswirkungen der Verstädterung zu kämpfen. Rund eine Million Menschen leben dort auf engstem Raum – die meisten von ihnen in Armut. Armut ist in Madagaskar überhaupt eines der größten Probleme: „Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als einem Dollar pro Tag“, erzählt Jean-Elson Zafisambondaoky. Ein Putsch vor drei Jahren verschärfte die ohnehin bestehenden Probleme zusätzlich. Hunger, Kriminalität und Obdachlosigkeit sind seither auf dem Vormarsch. „Diebstahl ist ein großes Problem in Antananarivo. Es kommt vor, dass ein Mensch wegen fünf Euro ermordet wird“, weiß der in Berlin lebende Architekt aus Madagaskar. Jean-Elson Zafisambondaoky wünscht sich von der jetzigen Regierung deshalb vor allem, dass sie die Menschen mehr einbindet. „Ohne Einbeziehung der Bevölkerung ist die Stadtentwicklung nicht zu schaffen.“ Berliner Biotope Wenngleich es vermessen wäre, die Probleme Berlins mit denen von Antananarivo oder São Paolo zu vergleichen: Der Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung beim Flughafenausbau oder Wohnungsbau ertönt auch an der Spree. „Um eine partizipative Stadtplanung kommt man in Berlin nicht mehr herum“, so Lutz Henke. Allerdings fehle es in der Stadt noch an den „entsprechenden Werkzeugen“. Der Programm-Manager im Berliner BMW Guggenheim Lab, der auch den Kunstverein Artitude mit betreibt und bestens mit der Kreuzberger Kulturszene vernetzt ist, hat vor allem die sozio-kulturelle Dimension von Stadtplanung im Blick. Die Lebensqualität, die eine Stadt wie Berlin bietet, brauche die Vielfalt der Kultur und die Freiheit sozialer Projekte. Doch auch Lutz Henke weiß: „Die Stadt für alle wird es sicherlich nicht geben.“ Wo sich die Menschen wohlig zwischen Kiezkultur und illegalem Club eingerichtet haben, wirkt Bürgerbeteiligung „auch ein bisschen wie eine Modevokabel“. So unterschiedlich die politischen, sozialen und kulturellen Voraussetzungen und Bedingungen in Städten auch sind – an diesem Abend wurde deutlich, dass man sich überall als Stadtgestalter zum Wohle der Gemeinschaft engagieren kann.   Hier finden Sie den Videomitschnitt der Veranstaltung in 4 Sequenzen unterteilt: 1. Teil (0:00-22:31) Lade video … 2. Teil (22:31-45:52) Lade video … 3. Teil (45:52-1:06:34) Lade video … 4. Teil (1:06:34-1:28:47) Lade video … Eine Welt – Eine Zukunft ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und KfW Entwicklungsbank. Die Veranstaltung findet mit der Medienpartnerschaft von Zitty statt.   Podcast:
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